Queer_feministisches Übersetzen

Was heißt das für uns?

Wir arbeiten mindestens zu zweit an einer Übersetzung. Jeder Text erfährt also mindestens drei Bearbeitungsdurchgänge, und oft diskutieren wir die Übersetzungen auch in größerer Runde. Damit fließt vielfaches Wissen, Sorgfalt und Überlegung in unsere Übersetzungen ein. Wir sind davon überzeugt, dass Begriffe und Texte übersetzbar sind. Da spezifische Diskursfelder ihre je eigenen Begrifflichkeiten entwickeln, widmen wir der historischen, kontextuellen und politischen Genauigkeit der von uns erstellten Übersetzungen größte Aufmerksamkeit. Hier kommt uns unsere Leidenschaft für gründliche Recherche zugute. Wir arbeiten als Kollektiv, weil wir davon überzeugt sind, dass sich diese Form des Arbeitens in der Qualität unserer Übersetzungen ausdrückt. Lust zu dieser Form gemeinsamer Textproduktion und Spass daran haben wir, da die gemeinsame Auseinandersetzung und das wechselseitige Zugeständnis von Autorität und Anerkennung als wissenschaftliche Übersetzer_innen ein zentrales Anliegen unserer Arbeit an Texten sind. Von diesen Prozessen profitieren auch unsere Übersetzungen und unsere Auftraggeber_innen.

Die Positionen der Übersetzer_innen können von Text zu Text wechseln (Erstübersetzer_in, Zweitübersetzer_in, an der Übersetzung nicht direkt Beteiligte, die sich in Email-Diskussionen in die begriffliche Arbeit einbringen). Sie werden von Auftrag zu Auftrag neu verteilt. Dabei geht es uns weniger um anti-hierarchische Arbeitsformen als vielmehr um das Herstellen beweglicher Hierarchien und Vielfältigkeit in den Strukturen unserer Arbeitsprozesse. Wir arbeiten als Kollektiv, weil mit dieser Arbeitsweise die historisch gewachsene Vielstimmigkeit jeder Übersetzung und jedes Textes im allgemeinen eine konkrete Form der Artikulation gewinnt. Als queer_feministische Übersetzer_innen arbeiten wir an gesellschaftlicher Veränderung und somit an einer Veränderung von Machtverhältnissen und der Fixierung von Macht als Herrschaft. Diese Prozesse stellen sich auch sprachlich her. Für unsere Arbeit heisst das unter anderem, historisch präzise Begriffe und Textverläufe zu entwickeln, die antisexistische, antirassistische und queere, nicht- heteronormative Effekte generieren. Unsere Übersetzungstätigkeit verstehen wir somit als Teil von Diskursbildungen und kollektiven Theorieproduktionen.

Aus unserer Diskussionspraxis…

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